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Gurtzeug / Rettungsschirm

Das ist wie mit Yin und Yang, oder Tag und Nacht oder..., ja eben das Gurtzeug und der Rettungsschirm. Diese zwei Dinge gehören zusammen, liegen nebeneinander, ergänzen sich und funktionieren!

Aber nur dann wenn die wichtigste aller Fragen mit „JA“ beantwortet werden kann:
„Passt die Kombination: Pilot-Gurtzeug-Rettungsschirm!?“
Es ist nämlich ein Irrtum, zu glauben, dass, wenn ein bewährtes System (R-Gerät plus Gurtzeug) dem Piloten Hans passt, dieses System auch dem Piloten Jürgen oder der Pilotin Barbara ihre uneingeschränkten Dienste tut!

Welche Dienste sind das?
Na eben zu funktionieren, aufzugehen, Leben zu retten...und zwar nicht nur im stationären Geradeausflug, beim Wingover fliegen, beim Lifteln oder Bergraufgehen, sondern vor allem im Notfall: wenn es um Leben und Tod geht – und so dramatisch, wie sich das jetzt anhört ist es auch!
Es ist nämlich schlicht und ergreifend „grob fahrlässig und dumm“ eine Pilotin, nehmen wir an sie ist eine Rechtshänderin, Körpergröße von 1,55 m und 52 kg schwer, mit einem zu großen Gurtzeug und integriertem Rückencontainer in die Luft zu schicken.
Die soll sich mal in folgende Situation begeben:
Starker Linksklapper mit wegfallendem Körper nach links, Spiralabsturz und jetzt bitte den Rettungsschirm auslösen! Das geht nämlich dann nicht oder kaum! Warum? Na, weil ihrer rechten Achsel vom seitlichen Gurt das Blut abgeschnürt, ihr Oberkörper weit nach hinten außen gezogen wird und ihr daranhängender, leider erschreckend kurzer Arm kaum zum R-Gerätegriff kommt, um die nun furchtbar lange Verbindungsleine zwischen R-Gerät und Innencontainer gestreckt zu bekommen! Im günstigsten aller Fälle schafft sie es, die Splinte aus den Ösen zu ziehen und das „sich hoffentlich öffnende Paket“ fällt, den Göttern sei Lob und Dank, aus dem Blattcontainer! Von Wegwerfen kann allerdings keine Rede sein, denn wo soll die Energie herkommen, der Arm ist doch viel zu kurz! Ach ja, stimmt, unsere Pilotin ist ja im Abspiralen und da haut es den Innencontainer dann schon zentrifugisch in das rettende Fluidum Luft!

Es sei betont: nicht der Arm der Pilotin war zu kurz, sondern die Kombination war nicht optimal! Ein größerer Mensch (egal, ob Mann oder Frau) hätte aufgrund der anderen Körperproportionen überhaupt keine Probleme in dieser Situation!

Vollständigheitshalber sei gesagt, dass bei Problemsituationen (Unfällen) meist noch hinzu kommt, dass die Anbringung des Innencontainers im Gurtzeug nicht optimal läuft, oder die Verbindungsleine des Griffes zum Innencontainer nicht an der optimalen Schlaufe (Mitte? Links? Rechts?) befestigt ist, oder der Klett der Außencontainer und Griffsysteme nicht optimal haften (hammermässig fest ist nicht immer optimal), oder eben der Pilot nicht optimal geflogen ist..., also im Ernst: passieren Unfälle überhaupt, wenn alles optimal läuft? Ursache eines Unfalls sind doch immer die Aneinanderreihung von unglücklichen (nicht optimalen) Zuständen und Schlüsselreaktionen!

Was kann der einzelne also tun?
Die Kompatibilitätsprüfung durchführen lassen!
Hier schaut ein Fachmann, ob die Symbiose Gurtzeug und R-Gerät passt, das System funktioniert und die Partnerschaft sinnvoll ist.

Aber jetzt kommt das Wichtigste:
Probieren geht über Studieren! Wissen ist wichtig, noch wichtiger aber ist die Erfahrung!
Also: Im Probesitzen (aufgehängter Zustand) das R-Gerät einmal auslösen! Und zwar nicht im stationären Gerade-Warme-Stuben-Ausflug, sondern in der Simulation des geklappten, wegspiralenden Schirmes, wo der Körper also seitlich drin hängt wie Schippen Sieben!
Bitte, es soll hier weder einer Kombination schön noch schlecht geredet werden! Top-, Rücken-, Seiten-, Bottom- und Frontcontainer, jedes System hat seine Vorzüge und Nachteile, aber eben nicht nur im Bezug auf das Gurtzeug, die Beweglichkeit des Piloten oder der Aerodynamik, sondern eben auch auf „Funktionalität im Zusammenspiel des bedienenden Armes“!
Kann der Flieger oder die Fliegerin die Second Chance in der Simulation auslösen und mit genügend Power wegwerfen, müssen nur noch die Packintervalle eingehalten werden und es kann vom Kompatibilitätsprüfer, Lehrer, Verkäufer... getrost gesagt werden:
„O.k., passt scho!!!“