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Kontrollblick

Fakten
Ein Gleitschirmstart gliedert sich in Aufzieh- Kontroll- und Beschleunigungsphase.
Der Kontrollblick findet in der Kontrollphase statt.
Er ist ein Instrument dafür, die Entscheidung zu fällen, ob durchgestartet, also beschleunigt wird, oder ob der Start konsequent abgebrochen wird.
Der Kontrollblick findet statt, wenn der Gleitschirm exakt über dem Piloten ist. Kontrolliert wird Kappe und Leinen.

Wann ist Was Wo wichtig?
Die Position des Kontrollblicks im Startlauf ist extrem wichtig.
Führt der Pilot den KB zu früh durch, legt er diesen also in die Aufziehphase, wird der Startlauf nicht nur behindert sondern negativ beeinflusst!
Der Druckverlust durch Aufrichten des Oberkörpers, oder dem seitlichen Blick, zerstört die Aufziehphase. In flachem Gelände ist das Ergebnis ein Abfallen des Schirmes, in steilem Gelände nützt der Schirm dieses Stoppen des Piloten als Katapultstart und überholt den Piloten.
Ideal ist, wenn der Pilot sich nach der Aufziehphase ein Zeitfenster durch Anbremsen des Schirmes schafft. Jetzt kann der Schirm und die Leinen kontrolliert werden. Dies ist allerdings nur möglich bei nicht zu steilem Gelände und nicht zu starkem Wind. In diesem Fall kommt es schnell zum Aushebeln und Wegfliegen.

Die Entscheidung zu Beschleunigen und zu Starten findet am Ende der Korrekturphase statt, wenn
1. der Schirm offen ist
2. die Leinen frei sind
3. der Schirm in der Achse steht
4. das Startgelände frei ist
5. der Pilot sich noch vor der Entscheidungslinie (dies wird beim Startcheck festgelegt; die Strecke bis zur Entscheidungslinie ist abhängig vom Pilotenkönnen und vom Startgelände) befindet.

Wohl dem der fühlt!
Einen nicht vollständig geöffneten Schirm spürt der Pilot in der Aufziehphase.
Die bei der Startvorbereitung geordneten freien Leinen können sich im Aufziehvorgang nicht verknoten, starke Verkürzungen der Leinen durch Knoten oder verhängten Fremdkörpern haben ein seitliches Wegdriften zur Folge und wirken sich schon in der Aufziehphase stark aus. Dies bedeutet, dass der Pilot, der in die Kontrollphase geht für seine jetzige Reaktion schon sämtliche Information bekommen hat. Das schräg kommende Segel wird unterlaufend aufgezogen und anschl. über die Steuerleinen korrigiert. Bei dem jetzt stattfindendem Kontrollblick vergewissert sich der Pilot darüber, ob es sich tatsächlich um eine Leinenverkürzung handelt oder nicht. Wenn ja, wird der Start sofort abgebrochen.

Mit Gewalt geht gar nix!
Viele Piloten halten krampfhaft am Kontrollblick fest. Weil sie es irgendwann einmal so gelernt haben. Dagegen ist auch überhaupt nichts einzuwenden – ganz im Gegenteil. Aber eben nur: wenn sie auch wirklich hinschauen!!!
Wie oft kommt es vor, dass Leinenverkürzungen in der C/D- oder Steuerebene nicht wahrnehmen werden obwohl die Piloten hinschauen?!
Die Frage ist warum?
Dieses im Bewegungsablauf eingebaute, antrainierte Hinschauen kostet sie so viel Aufmerksamkeit und Potential ihres Wahrnehmens, dass sie nicht bemerken, dass der Gleitschirm die vorher festgelegte Startlinie verlässt. Der Pilot wiegt sich in Sicherheit, da er ja den Kontrollblick durchgeführt hat und beschleunigt. Mit dem Ergebnis, dass der Gleitschirm in steilerem Gelände jetzt schräg abhebt.

Der Kontrollblick ist eine visuelle Bestätigung der vom Gefühl festgestellten und bewerteten Sachlage. In der Kontrollphase ist wie beim freien Fliegen ( aktiv Fliegen) das Gefühl direkter, unmittelbarer und verlässlicher. Kein Pilot schaut beim freien Fliegen ständig auf seinen Gleitschirm. Selbst bei einer Störung reagiert er durch Gewichtsverlagerung und Steuerleinenzug. Vor allem bei nach vorne schießenden Schirmen (Thermikeinfluss) reagieren die Piloten durch sofortiges Abbremsen. Ein Blick zur Kappe verzögert die notwendige Reaktion. Der Pilot bekommt zwar die Information über das Auge, dass ihn der Gleitschirm überholt hat aber hat jetzt keine Zeit mehr dies zu verhindern.

In der Kontrollphase sollte das Kontrollfühlen dem Kontrollblick vorausgehen.

Die Praxis zeigt, dass routinierte Piloten den Kontrollblick durch Kontrollfühlen vollständig ersetzen.
Der angestrebte Weg für die Schulung sollte sein, dass der Schüler lernt Fühlen und Sehen beim Gleitschirmstart zu kombinieren. Dazu dienen Aufziehübungen mit präparierten Schirmen (Deformationen und Leinenverkürzungen). Somit kann der Schüler ein Bild dem jeweiligen Gefühl und Geräusch zuordnen und ist somit bestens gewappnet für alle möglichen und unmöglichen Situationen.

Das Ziel sollte der Rückwärtsstart sein. Bei dem, in der Aufziehphase, neben dem Gefühl auch ständig visuelle Informationen fließen...

Zusammenfassend kann man sagen:
Kontrollblick? Super, aber bitte dort wo er hin gehört!
Kontrollfühlen? Genial und anstrebenswert! Ruhig mit Unterstützung des KB!