Service Achensee FAQ's
R-Geräte Training
Die Vergangenheit hat gezeigt, daß das Wissen der
Piloten über ihr eigenes Rettungsgerät oft unzureichend
ist.
Praktische Übungen haben in der Regel auch während
der A-Schein Ausbildung kaum stattgefunden. Wird vom Piloten
kein Sicherheitstraining absolviert, indem der R-Gerätewurf
beinhaltet ist, fliegt er unter Umständen über
Jahre hinweg mit einem Ausrüstungsgegenstand an seiner
Seite, den er weder richtig „kennt, noch mental vollständig
akzeptiert“.
Es besteht unbedingt die Notwendigkeit diese mentale Auslösesperre
durch Übungen zu überwinden.
Ein weiterer possitiver Effekt des Turnhallentrainings ist
die Aussonderung von nicht geeignetem oder nicht funktionierendem
Material.
Außerdem kann in der Turnhalle das Praktizieren des
Landefalls ausführlich und in aller Ruhe geübt
werden.
Sachanalyse: der Wurf des R-Gerätes
Eine Sachanalyse zeigt, daß viele Piloten in Notsituationen
das R-Gerät offensichtlich viel zu spät oder gar
nicht auslösen!
Die Gründe können sein, daß der Pilot:
• sich seiner Lage nicht bewußt ist
• versucht mit anderen ihm zur Verfügung stehenden
Mitteln die Fluglage in den Griff zu bekommen
• sich in einer mentalen Auslösesperre aus Angst
vor weiteren unklaren Flugzuständen befindet (Unsteuerbarkeit,
„Absturz“ in Stromleitung usw.)
• sich seines Höhenverlustes nicht bewußt
ist
• nicht weiß wie das R-Gerät ausgelöst
wird
• den Griff nicht findet
• einen black out hat oder ohnmächtig ist
Gründe für das Werfen des Rettungsgerätes
Wie in der gesamten Luftfahrt gilt auch für uns Gleitschirmpiloten
in Extremsituationen der Grundsatz: „fly your aircraft“!
Es gibt allerdings Notsituationen, in denen unser Gleitschirm
von uns nicht mehr manövrierbar ist:
• extreme Verhängungen mit denen nicht „geflogen
werden kann“
• nicht korrigierbare Klapper mit nachfolgenden Spiralabstürzen
oder Trudeln
• Zusammenstöße in Abhängigkeit von
Verkeilung und verbleibender Höhe
• Gerätebrüche die einen unkontrollierbaren
Flugzustand zur Folge haben
Facts
• 90% aller Rettungsschirmöffnungen finden zwischen
20 und 90 Metern über Grund statt
• das R-Gerät wird meist in extremer Raumlage
ausgelöst (Verwicklungen durch Leinen, Orientierungslosigkeit
wegen Drehung um 3 Achsen, starke Fliehkräfte)
• ca. 70% aller Öffnungen sind aufgrund eines
Zusammenstoßes notwendig
Auslösegeschwindigkeit
Natürlich ist eine äußerst schnelle Öffnung
des R-Gerätes „im Fall der Fälle“
wünschenswert. Die Auslösegeschwindigkeit wird
im Wesentlichen beeinflußt durch:
• regelmäßiges Packen
• gut greifbare Nähe des Auslösegriffs,
am besten mit Sichtkontakt
• kurzes Verbindungsstück zwischen Innencontainer
und Auslösegriff
• mentales Training
• Testgriff nach jedem Start
• praktisches Training in der Turnhalle
• regelmäßige Teilnahme an einem Sicherheitstraining
Rettungsschirm und Gurtzeug
Die verschiedenen Anbringungsarten mit ihrer Kombination
von Rettungsschirm und Gurtzeug unterliegen gewissen Rahmenbedingungen
und haben jeweils ihre Vor- und Nachteile.
Es ist abzuwägen, welche für einen persönlich
die „günstigste“ ist. Folgende Punkte sind
dabei zu bedenken:
• der Auslösegriff bezüglich des Sichtfeldes
des Piloten
• die Erreichbarkeit des Griffs
• die Länge der Verbindung vom Innencontainer
zum Reißgriff
• eventuelle Behinderung des Piloten bei Start und
Flug durch das R-Gerät: Volumen, Baumeln
• die Möglichkeit einer Verhängung der Fangleinen
am Griff oder am Kontainer
• eventuelle Beeinträchtigung der Flugeigenschaften
durch das Gewicht oder der Lage des R-Geräts (Widerstand/Aerodynamik,
asymetrische Gewichtsverteilung)
• wie ist die verbleibende Verstaumöglichkeit
von Rucksack, Airbag, Kleidung usw.
• die Auswirkung auf Windenschlepp
• eventuelle Beeinträchtigung beim Speed-System
• die persönliche Einschätzung des Kompfort-Gefühls
Wurftechnik und Landung
1. Notsituation feststellen
2. Lage und Höhe einschätzen und Entscheidung
treffen
3. Bremsen loslassen, Auslösegriff suchen und ergreifen
4. Innencontainer aus dem Außencontainer herausziehen
5. diesen so kraftvoll wie möglich in den freien Luftraum
schleudern
6. Kontrollblick zum geöffneten Rettungsschirm
7. Hauptschirm an losen Leinen deformieren (Empfehlung:
B-Stall)
8. Landefallhaltung einnehmen und auf Untergrund vorbereiten
9. Landefall
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