Service Achensee FAQ's
R-Gerät-Position
Folgende Positionierungen sind auf dem Markt:
Frontkontainer
Seitenkontainer
Bottomkontainer
Rückenkontainer
Topkontainer
Vorwort
Was wir hier nicht wollen, ist das eine System gut und das
andere schlecht machen! Es gibt auch hier, wie übrigens
immer, kein Richtig und kein Falsch!
Unbedingt jedoch gibt es: ein Funktionieren und ein Nichtfunktionieren
und ein Nichtsogutfunktionieren!
Es wird hier keine Aufstellung der Vor und Nachteile der
einzelnen Systeme geben, sondern dies soll ein Denkanstoss
für euch sein! Ihr seid diejenigen die prüfen
sollt ob euer Kinosessel nicht nur bequem ist, sondern auch
funktioniert!!!
Aber jetzt zu unserem Thema:
Wie schnell geht’s im Falle eines Falles?
oder
Abhängig von der Position des Außenkontainers
am Gurtzeug sind:
1. Länge der Verbindung vom Auslösegriff zum
Innencontainer
Bemerkung:
Je kürzer diese Verbindung ist, umso weniger Energie
geht beim Werfen in der ersten Stufe verloren.
Als erste Stufe bezeichne ich den Ruck den ich brauche,
um den Griff vom Gurtzeug zu lösen und den Innenkontainer
aus dem Außenkontainer oder Tube (Hülle im Gurtzeug
in welche der Rettungsschirm eingeschoben wird) zu holen.
Dabei müssen, je nach Gurtzeug verschiedene Hürden
übersprungen werden:
Splinte aus Ösen ziehen
Klettverschlüsse lösen
Laschen aus Taschen reißen
Im Extremfall braucht der Pilot soviel Energie, dass nach
Abschluß dieser ersten Stufe kein Wurfweg mehr zur
Verfügung steht und somit das Packet (Innenkontainer
mit Rettungsschirm) am ausgestreckten Arm verhungert.
Übung (gedanklich):
Stell dir einmal vor, du hättest einen 5 Meter langen
Arm...kein Problem beim Auslösen und beim Wegwerfen!
Du hättest genügend Weg nach der ersten Stufe,
um das Packet mit viel Power und Schwung wegzuwerfen.
Verkürze deinen Arm in Gedanken auf lediglich deine
Unterarmlänge... jetzt bekommst du das R-Gerät
nicht einmal aus dem Außenkontainer frei, da zu wenig
Bewegungs-Weg zur Verfügung steht.
2. Auslösegriff in Sichtweite, ja oder nein
Ich denke da gibt es nix zu diskutieren: was ich sehe finde
ich schneller als das was ich nicht sehe!
Übung (Praxis):
Nachdem du dich in dein Gurtzeug gesetzt hast, und die für
dich bequeme und sinnvolle Sitzposition eingenommen hast,
mach den sogenannten Trainingsgriff an deinen Rettungsschirm.
Mit der Zeit findest du schnell den Auslösegriff auch
ohne Hinzuschauen.
3. Bedienbarkeit über beide Hände, ja oder nein
Bis auf den Frontkontainer ist dies bei anderen Varianten
nicht möglich. Psychisch gesehen bestimmt ein Plus,
in der Praxis muss man sehen, ob dies auch so ohne weiteres
(mit der schwächeren Hand) durchführbar ist.
Übung (gedanklich):
Bitte bedenke, dass bei einem Rechtshänder die Verbindungsgurte
rechts vorbei laufen und bei einer Linksauslösung der
Rettungsschirm allerdings seitlich links hinten öffnen
wird, somit also der Pilot erst einmal um seine eigene Achse
katapultiert wird. Diese Situation erleben wir im Sicherheitstraining
immer wieder und das schaut echt sportlich aus!
4. Erreichbarkeit des Auslösegriffes bei Schräglage
(hervorgerufen durch Schirmdeformationen)
Das ist der Knackpunkt!
Das tollste Gurtzeug ist nix wert, wenn das sich darin befindende
R-Gerät nur im wunderbar stationären Geradeausflug
auslösen lässt (wer wirft in diesem Flugzustand
schon sein Second Chance!?!
Übung (Praktisch):
Häng dich in dein Gurtzeug und simuliere einen extremen
Klapper auf der Seite wo sich dein Auslösegriff befindet.
Bitte bedenke, dass bei einer Rotation dein Oberkörper
nach hinten gedrückt wird (dies ist umso extremer je
mehr du dich beim normalen Fliegen in einer Liegehaltung
befindest).
Jetzt ist das Erreichen des Griffes wesentlich schwieriger
oder gar (hoffentlich nicht!!!) unmöglich.
5. ...und noch etliches zum Bedenken...
Welche Handschuhe fliegst du?
Welchen Helm hast du auf?
Mit welcher Kleidung bist du unterwegs? Wird der Griff verdeckt
durch diese Kleidung, oder die Sicht und deine Bewegungsfreiheit
eingeschränkt?
Wie läuft dein Beschleuniger, oder eine eventuelle
Einstiegshilfe? Konkurrieren sie mit dem Auslösegriff?
All das sind Dinge, welche man beim Probesitzen am Simulator
oft nicht mit einbezieht!
Wenn du dir etwas Gutes tun möchtest überprüfe
dein Gurtzeug bezüglich dieser erwähnten Punkte,
sollten dann noch Fragen offen sein, sei so frei und melde
dich, wir helfen dir gerne weiter!
...noch mehr...
Wissenswertes über den Rettungsschirm
Vorwort
Die Vergangenheit hat gezeigt, dass das Wissen der Piloten
über ihr eigenes Rettungsgerät oft unzureichend
ist.
Praktische Übungen haben in der Regel auch während
der A-Schein Ausbildung kaum stattgefunden. Wird vom Piloten
kein Sicherheitstraining absolviert, indem der R-Gerätewurf
beinhaltet ist, fliegt er unter Umständen über
Jahre hinweg mit einem Ausrüstungsgegenstand an seiner
Seite, den er weder richtig „kennt, noch mental vollständig
akzeptiert“.
Es besteht unbedingt die Notwendigkeit diese mentale Auslösesperre
durch Übungen zu überwinden.
Ein weiterer positiver Effekt des Turnhallentrainings ist
die Aussonderung von nicht geeignetem oder nicht funktionierendem
Material.
Außerdem kann in der Turnhalle das Praktizieren des
Landefalls ausführlich und in aller Ruhe geübt
werden.
Sachanalyse: der Wurf des R-Gerätes
Eine Sachanalyse zeigt, dass viele Piloten in Notsituationen
das R-Gerät offensichtlich viel zu spät oder gar
nicht auslösen!
Die Gründe können sein, dass der Pilot:
• sich seiner Lage nicht bewusst ist
• versucht mit anderen ihm zur Verfügung stehenden
Mitteln die Fluglage in den Griff zu bekommen
• sich in einer mentalen Auslösesperre aus Angst
vor weiteren unklaren Flugzuständen befindet (Unsteuerbarkeit,
„Absturz“ in Stromleitung usw.)
• sich seines Höhenverlustes nicht bewusst ist
• nicht weiß wie das R-Gerät ausgelöst
wird
• den Griff nicht findet
• einen black out hat oder ohnmächtig ist
Gründe für das Werfen des Rettungsgerätes
Wie in der gesamten Luftfahrt gilt auch für uns Gleitschirmpiloten
in Extremsituationen der Grundsatz: „fly your aircraft“!
Es gibt allerdings Notsituationen, in denen unser Gleitschirm
von uns nicht mehr manövrierbar ist:
• extreme Verhängungen mit denen nicht „geflogen
werden kann“
• nicht korrigierbare Klapper mit nachfolgenden Spiralabstürzen
oder Trudeln
• Zusammenstöße in Abhängigkeit von
Verkeilung und verbleibender Höhe
• Gerätebrüche die einen unkontrollierbaren
Flugzustand zur Folge haben
Facts
• 90% aller Rettungsschirmöffnungen finden zwischen
20 und 90 Metern über Grund statt
• das R-Gerät wird meist in extremer Raumlage
ausgelöst (Verwicklungen durch Leinen, Orientierungslosigkeit
wegen Drehung um 3 Achsen, starke Fliehkräfte)
• ca. 70% aller Öffnungen sind aufgrund eines
Zusammenstoßes notwendig
Auslösegeschwindigkeit
Natürlich ist eine äußerst schnelle Öffnung
des R-Gerätes „im Fall der Fälle“
wünschenswert. Die Auslösegeschwindigkeit wird
im Wesentlichen beeinflusst durch:
• regelmäßiges Packen (wir empfehlen 4
– 6 Monate)
• gut greifbare Nähe des Auslösegriffs,
am besten mit Sichtkontakt
• kurzes Verbindungsstück zwischen Innencontainer
und Auslösegriff
• mentales Training
• Kleidung, Helmtyp, Handschuhe
• Testgriff nach jedem Start
• praktisches Training in der Turnhalle
• regelmäßige Teilnahme an einem Sicherheitstraining
Rettungsschirm und Gurtzeug
Die verschiedenen Anbringungsarten mit ihrer Kombination
von Rettungsschirm und Gurtzeug unterliegen gewissen Rahmenbedingungen
und haben jeweils ihre Vor- und Nachteile.
Es ist abzuwägen, welche für einen persönlich
die „günstigste“ ist. Folgende Punkte sind
dabei zu bedenken:
• der Auslösegriff bezüglich des Sichtfeldes
des Piloten
• die Erreichbarkeit des Griffs
• die Länge der Verbindung vom Innencontainer
zum Reißgriff
• eventuelle Behinderung des Piloten bei Start und
Flug durch das R-Gerät: Volumen, Baumeln
• die Möglichkeit einer Verhängung der Fangleinen
am Griff oder am Kontainer
• eventuelle Beeinträchtigung der Flugeigenschaften
durch das Gewicht oder der Lage des R-Geräts (Widerstand/Aerodynamik,
asymmetrische Gewichtsverteilung)
• wie ist die verbleibende Verstaumöglichkeit
von Rucksack, Airbag, Kleidung usw.
• die Auswirkung auf Windenschlepp
• eventuelle Beeinträchtigung beim Speed-System
• die persönliche Einschätzung des Kompfort-Gefühls
Wurftechnik und Landung
1. Notsituation feststellen
2. Lage und Höhe einschätzen und Entscheidung
treffen
3. Bremsen loslassen, Auslösegriff suchen und ergreifen
4. Innencontainer aus dem Außencontainer herausziehen
5. diesen so kraftvoll wie möglich in den freien Luftraum
schleudern
6. Kontrollblick zum geöffneten Rettungsschirm
7. Hauptschirm an losen Leinen deformieren (Empfehlung:
B-Stall), auf jeden Fall: soviel Leinen einholen wie möglich
um den Gleitschirm am Fliegen zu hindern
8. Landefallhaltung (Beine zusammen, Oberarme an Körper,
Gesichtsfeld mit Fäusten abdecken) einnehmen und auf
Untergrund vorbereiten
9. Landefall
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